Boliviens Silberstadt Potosí

Wo liegt Potosí?

 

Die Stadt Potosí liegt im Süden Boliviens auf 4.090 m Höhe. Potosí  war jahrhundertelang ein Synonym für Reichtum und die größte Stadt des amerikanischen Kontinents. Zu verdanken hat Potosí  diese Bedeutung vor allem dem Silber und anderen Erzen des berühmten  „Cerro Rico“, dem Berg direkt vor den Toren der Stadt. 

 

Von Uyuni kommend erreichen wir Potosí weit nach Mitternacht. Der Bus hält irgendwo außerhalb des Stadtzentrums an der Straße- es ist kein Busbahnhof zu sehen. Unser Hotel liegt ist 2,3 Kilometer entfernt. Schnell bemerken wir unseren Fehler- wir haben kein Bargeld für ein Taxi. Kartenzahlung ist hier nicht möglich. Also müssen wir den Weg zu Fuß bestreiten. Unser Hotel liegt in der Altstadt- hoch oben auf dem Berg, auf über 4000 m Höhe - da wird jeder Schritt mit Gepäck zur Höchstleistung. Aber auch diese Hürde schaffen wir. Um 02:00 Uhr erreichen wir unser Hotel. 

 

Am nächsten Tag ist Nationalfeiertag in Bolivien. Geschäfte,  Museen und Banken sind geschlossen. Wir schlendern durch die Gassen Potosí  wurde aufgrund seiner Vergangenheit im Jahr 1987 von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt. Anhand der Gebäude lässt sich in etwa erahnen, welcher Reichtum in dieser Stadt herrschte, doch die Zeiten sind lange vorbei. 

 

Bereits die Inkas hatten in ihrem Berg  und Silber gefördert, später vereinnahmten die spanischen Eroberer das Bergwerk und  schon bald finanzierte das dort geförderte Silber das gesamte spanische Reich. Nirgendwo auf der Welt gab es mehr Silber, und das zog die Menschen an. Potosí begann in einem schnellen Tempo zu wachsen. Im Jahr 1573 hatte Potosí die gleiche Bevölkerung wie London und mehr Einwohner als Sevilla, Madrid, Rom oder Paris. Um 1650 lebten in Potosí 160.000 Einwohner. 

 

 

Aber was einst die "Reichste Stadt der Welt" für die Einen gewesen ist, das war sie ganz und gar nicht für die indigene Bevölkerung. Sie wurden  von den spanischen Besatzern und Kirche zur Arbeit in den Minen  gezwungen und gequält. Hunderttausende, wahrscheinlich  Millionen,  kamen in den Minen ums Leben. Als die Silberadern im 18. Jahrhundert versiegten, begann der Verfall der Stadt -  gerade einmal 10000 Menschen blieben zurück. Anfang des 20. Jahrhunderts  kam es zu einem erneuten Aufschwung, als  der Abbau von Zinn in Mode kommt und in großem Stil gefördert wird. Aber es profitieren nur einige wenige und der Erfolg war nur von kurzer Dauer. 

 

Heute wird immer noch unter sehr schweren Bedingungen in den Minen gearbeitet, doch der Ertrag ist gering.  Man hofft immer noch, weitere Rohstoffe zu finden und gräbt immer tiefer in den Berg hinein. Das führt zu schweren Unfällen und Todesfällen. Viele Kinder müssen hier arbeiten. Für Touristen werden Touren durch die Minen angeboten. Für uns fühlt es sich nicht richtig an und wir  haben davon abgesehen.

 

In der Stadt erkennt man, dass es der Bevölkerung hier nicht gut geht. Arbeitsplätze sind rar und die, die es gibt, sind die in den Mienen.  Hinzu kommen die extremen klimatischen Verhältnisse. Hier, in  4000 Metern Höhe ist es kalt und windig, die wenigsten Häuser haben eine Heizung. Vieles muss beschwerlich aus den tiefer liegenden Städten herbeigeführt werden. Das lässt sich auch an den Gebäuden ablesen, der  der Verfall lässt sich nicht aufhalten., denn Geld, um die wunderschönen Kolonialbauten wieder instand zu setzen, ist keines mehr da. 

Wir treffen drei Argentinier. Bereits in Uyuni sind wir ihnen begegnet. Sie stehen auf der Ampelkreuzung  und machen  Kunststücke. Nur wenige Autofahrer geben ihnen ein paar Münzen. Überall im Land stehen sie  an den Straßenkreuzungen und  verdienen sich ihr Geld als Fensterputzer oder Verkäufer und manche jonglieren. Erwachsene und meist auch Kinder.  Mit dem, was sie einnehmen, bestreiten sie ihr Essen. Die drei  wollen  nach Peru an die Küste.  Machu Picchu ist für sie keine Option - viel zu teuer, sagen sie. Es ist ein harter Job, stundenlang inmitten der vielen Abgase zu stehen. Hier gibt es nur vereinzelt E-Autos. Selbst Katalysatoren sind hier noch nicht angekommen. Wir sind  fast sicher, dass wir  ihnen in den nächsten Tagen noch einige Male begegnen werden. 

Gigantische Silbervorkommen in Potosí machten Europa reich. Bolivien aber blieb arm. Nun gibt es dort eine neue Ressource: Lithium. Wird sich die Geschichte wiederholen?

 

Für uns geht es weiter in die wohl schönste Stadt Boliviens - nach Sucre. Wir sind gespannt. 

     

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