Zwischen Deutschland, Belgien und Frankreich gelegen zählt Luxemburg mit seiner Fläche von 2.586km2 und nur 680000 Einwohnern zu den kleinsten Staaten Europas. Und dennoch wurde in Luxemburg Geschichte geschrieben, schließlich ist es eines der Gründerländer der Europäischen Union. Dieses Land wollen wir kennenlernen und was liegt näher, als die Region einmal mit dem Wohnmobil zu bereisen?
Die heutige Bezeichnung Luxemburg ist vom Namen der Burg Lucilinburhuc, später Lützelburg, abgeleitet, was möglicherweise „kleine Burg“ bedeutet. Amtssprachen sind neben Luxemburgerisch auch Deutsch und Französisch.
Clervaux - weltberühmte Fotokunst in der Burg
Unsere erster Halt ist Clervaux, oder auch Clerf genannt, ein kleines Städtchen, malerisch gelegen im Norden der luxemburgischen Ardennen, im Éislek, wie die Region auch benannt ist. Die Kleinstadt hat nur 6000 Einwohner, bietet aber mit dem hoch auf dem Felsen thronenden weißen Schloss, dem markanten Benediktinerkloster "St. Mauritius" und der Pfarrkirche "Elise Saint Côme et Damien" beeindruckende Bauwerke und vor allem weltberühmte Kunst.
Im Schloss wird die größte Fotoausstellung aller Zeiten "The Family of Man", welche Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbes gezeigt. 1952 hatte der Luxemburger Fotograf Edward Steichen weltweit Fotografen gebeten, ihm Portraits von Menschen zur Verfügung zu stellen und es kamen über 2 Mio. Aufnahmen zustande. Insgesamt 503 Motive sind in der Ausstellung zu sehen. Die Ausstellung ist ein Manifest für den Frieden und die fundamentale Gleichstellung aller Menschen. Leider kamen wir erst kurz vor Ende der Öffnungszeit dort an und hatten keine Gelegenheit mehr, uns diese einzigartige Ausstellung anzuschauen. Dies werden wir aber mit Sicherheit nochmals nachholen. Ebenfalls im selben Schloss zeigt das Museum "Bataille et Château" die Kämpfe der Ardennenoffensive.
Clervaux ist auch ein Etappenort des grenzüberschreitenden Weitwanderweges „Escapardenne Éislek Trail“, der mit dem europäischen Gütesiegel „Leading Trails – Best of Europe Quality“ ausgezeichnet ist. Wer Wanderungen liebt, ist hier bestens aufgehoben.
Esch-sur-Sûre - eines der schönsten Dörfer Luxemburgs
Eingebettet in das Tal der Sauer (Sûre) befindet sich das kleine 3000-Einwohner-Städtchen in einer hufeisenförmigen Flussbiegung unterhalb der Ruinen der ältesten Burg des Großherzogtums von Luxemburg. Weiße Häuser mit Schieferdächern reihen sich wie an einer Perlenschnur aneinander. Viele Vorgärten in den engen Gassen sind dekoriert - es scheint hier einen Wettstreit unter Nachbarn zu geben, wer wohl den schönsten Garten hat. Es gibt nicht viel zu sehen. Einige Cafés und Restaurants, die auch von einer Vielzahl von Motorradfahrern gut besucht sind. Und doch hat der Ort einen gewissen Charme.
Die größte Sehenswürdigkeit ist der Rundumblick von den Ruinen der ehemaligen Feudalburg, deren Fundamente auf das Jahr 927 zurückgehen. Neben dem Städtchen gibt es noch die restaurierte Tuchfabrik von Esch-Sauer zu besichtigen. In und um die Region gibt es zahlreiche Wanderwege und wir entscheiden wir uns für den Panoramaweg, der immer wieder tolle Ausblicke gewährt. Den Nachmittag verbringen wir am "Lac-de-la-haûte-Sur". Doch unser Freizeitvergnügen hält nicht lange - es fängt zu regnen an. Wir finden einen Parkplatz am Obersaurer Stausee und in der nahegelegenen Jugendherberge bekommen wir auch noch Getränke, um den ersten Tag gemütlich ausklingen zu lassen,
Vianden - Schmuckstück des Mittelalters
Vianden heißt unser nächstes Ziel. Doch auf dem Weg dorthin wollen wir noch einen Zwischenhalt in Ettelssbruck machen. Dort soll es großartige Street-Art-Kunst geben. Leider ist die Ausbeute der sehenswerten Malereien gering. Da gibt es wirklich sehenswertere Orte. Wir halten uns daher auch nicht sehr lange auf - beobachten nur kurz das Entenrennen im Ort - und dann geht es weiter nach Vianden.
Vianden gehört geografisch zu den luxemburgischen Ardennen / Éislek, grenzt an die Eifel und das Müllerthal ((fr., Mullerthal))und ist die touristische Attraktion in Luxemburg. Und warum das so ist, erkennt man schon von Weitem. Hoch oben auf einem Felsvorsprung thront eindrucksvoll die Burg.
Zunächst aber machen wir einen Abstecher in die am Fluss Our liegende Altstadt. Die zahlreichen Cafés und Restaurants sind voller Besucher und wir hören viele unterschiedliche Sprachen. In einer kleinen Galerie inmitten des Ortes werden Werke junger Künstler des Landes gezeigt - eine sehenswerte Ausstellung.
Es ist warm und wir entscheiden uns, den kostenlosen Bus hinauf zur Burg zu nehmen. Bis ganz oben geht es nicht, aber einige Meter Fußweg haben wir durch die Fahrt gespart.
Die Burg wurde zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert auf den Fundamenten eines römischen Kastells errichtet. Geprägt von den Hohenstaufen, gilt der Schlosspalast heute als einer der grössten und schönsten feudalen Residenzen der romanischen und gotischen Zeit in Europa. Nach der Übernahme der Burg in Luxemburger Staatsbesitz im Jahr 1977 wurde die Anlage entsprechend ihrer ehemaligen Pracht restauriert.
5,00 EURO Eintritt, die wahrlich gut angelegt sind, denn die imposanten Räumlichkeiten und auch der Blick vom Burghof hinunter auf die Altstadt und Umgebung sind sehr beeindruckend.
Von Vianden aus fahren wir zum Echternacher See - dort übernachten wir und genießen es, sowohl am Abend als auch am nächsten Morgen ins kühle Nass springen können.
Das Müllerthal - die luxemburgische Schweiz
Heute ist Wandertag angesagt. Große Schluchten und mit Moos bewachsene Felswände prägen die Region des Müllerthals. Der "Natur- & Geopark Mëllerdall" wurde in das internationale Netzwerk der UNESCO Global Geoparks aufgenommen wurde. Die Kombination aus Natur- und Geopark spricht für die besondere Bedeutung und Schutzwürdigkeit der Landschaft.
Wir beginnen am Campingplatz in Berdorf - zunächst steigen wir über Stufen und Brücken in eine außergewöhnlich grüne Schlucht. Über eine Metallbrücke und einen Treppenturm führt uns der Weg auf und ab und durch Felsformationen hindurch. Einige Male wird es eng und man muss schon genau aufpassen, wohin man tritt und dass man nicht mit dem Kopf anstößt. Viele Felsformationen sind zudem eng mit Sagen und Legenden verbunden und tragen geheimnisvolle Namen. Am Nachmittag erreichen wir unser Ziel, ein Café. Unser Plan, den Rückweg mit dem Bus zurückzulegen, scheitert daran, dass im Ort gebaut wird und der Busverkehr eingestellt ist. Also wandern wir die gesamte Strecke zurück und erreichen am frühen Abend den Campingplatz.
Berdorf ist u.a. auch eine Station des 112 Kilometer langen "Mullerthal Trails," einer der bekanntesten und beliebtesten Wanderwege Luxemburgs. Die Landschaft entlang des „Leading Quality Trail – Best of Europe“ ist abwechslungsreich und was die Natur hier bietet, ist einzigartig.
Echternach - die älteste Stadt Luxemburgs
Wir besuchen Echternach, die größte Stadt im Herzen des Müllerthals, die jedoch nur rd. 5.500 Einwohner hat. Sie wurde im 7. Jahrhundert von dem angelsächsischen Missionar Willibrord gegründet und ist damit nicht nur die älteste Stadt des Landes, sondern auch einer der bedeutendsten frühmittelalterlichen Orte Westeuropas. Hier ist eine der wichtigsten Traditionen Luxemburgs beheimatet: Die Springprozession, eine weltweit einmalige religiöse Veranstaltung, die jjährlich am Pfingstdienstag stattfindet. Tausende von Springern in Fünferreihen hüpfen nach einer alten Polkaweise durch die Stadt zum Grabe des Heiligen. Die Prozession ist seit 2010 immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe. Wir haben leider keine Chance, dabei zu sein, denn es ist September.
Das Stadtzentrum ist geprägt durch die imposante Basilika und die direkt danebenliegende Abtei. Im Innenraum der Basilika gibt es eine Dokumentation zur Springprozession. Um den Marktplatz herum, reiht sich ein gut erhaltenes Fachwerkhaus oder Stadthaus aus dem 17. oder 18. Jahrhundert an das nächste. Leider war es bei unserem Besuch sehr kühl und wir haben den Eindruck, dass sich nur wenige Besucher an diesem Tag in Echternach einfinden.
Wir werden daher weiter nach in die Stadt Luxemburg fahren.
Luxemburg - das Herzstück des Großherzogtums
Schon auf dem ersten Blick erkennt man, dass die Stadt Luxemburg durch eine tiefe Schlucht in zwei Teile geteilt ist. Die elegante Oberstadt - Ville Haute - und die Unterstadt. Dazwischen liegt eine fast 70 Meter hohe Felslandschaft, in die eine historische Festungsanlage samt Kasematten-Labyrinth gebaut wurde. Die tiefen Täler und hohen Felsen waren die Stärke der Gegend, als hier im Jahr 963 die „Lucilinburhuc“ (kleine Burg) errichtet wurde. Fast tausend Jahre lang beherbergte das Gebiet eine Festung, die so stark war, dass sie als „Gibraltar des Nordens“ bekannt wurde. Die Festungsanlage sowie die historischen Viertel in der Altstadt wurden 1994 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.
Von der Aussichtsplattform "Chemin de la Corniche", der einst als "schönster Balkon Europas" bezeichnet wurde, hat man einen tollen Rundum-Blick. In Nerja in Spanien gibt es auch den "schönsten Balkon Europas" - wer weiß, wer hier die Titel vergibt. Wir standen bereits auf beiden Balkonen - kein Zweifel, überall ist die Aussicht ist grandios.
Wir schlendern durch den unterhalb der Festungsmauer gelegenen Park, entdecken schmale Gassen mit hübschen Häusern und Cafés, schauen der Palastwache vor der Stadtresidenz von Großherzog Henri zu und genießen diese schöne Stadt.
Die Stadt Luxemburg ist gleichberechtigt mit Brüssel und Straßburg eine der drei offiziellen EU-Hauptstädte,. Besonders deutlich wird dies auf dem Kirchberg-Plateau in der Oberstadt wo das europäische Verwaltungszentrum ihren Sitz hat. Mehr als 13000 Beamte arbeiten dort am Europäischen Gerichtshof und vielen weiteren europäischen Institutionen. Über 170 Nationen sind in der Bevölkerung vertreten.
Luxemburg ist weltoffen, gastfreundlich, modern, künstlerisch und auch traditionell. Man fühlt man sich willkommen. Ein Besuch im Großherzogtum Luxemburg mit all seinen unterschiedlichen Facetten ist absolut empfehlenswert.




























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